Die Senioren-WG – Eine alternative Wohnform

Senioren-WGs liegen im Trend. Gemeinsam statt einsam alt werden, lautet die Devise einer Wohngemeinschaft für Rentner und Best-Ager 50+.
Eine Umfrage der Silver Living Gruppe in 2018 zeigt bespielsweise, dass zwei Drittel der Österreicher Angst vor Einsamkeit im Alter haben. In einer Umfrage der Infratest dimap im Auftrag der ARD bezeichneten 76% aller Frauen und 61% aller Männer Einsamkeit als „großes bis sehr großes Problem“.  Aber ist eine WG für jeden Senior wirklich geeignet? Und was kostet das Leben in der Wohngemeinschaft 50plus und wie sieht das Leben in einer WG bei Pflegebedürftigkeit aus? Die Vor- und Nachteile einer Seniorenwohngemeinschaft und Tipps und Infos rund die Wohn- und Hausgemeinschaft für Senioren finden Sie hier.

Drei unterschiedliche Konzepte für das gemeinsame Wohnen Leben im Alter

1. Die „klassische“ Senioren-WG

Plus WG, 50plus WG oder auch „Gemeinsam Wohnen ab 50“, so wird in der Regel die klassische Wohngemeinschaft von Menschen ab 50 Jahren bezeichnet, die zusammenleben.
In einer „klassischen“ Senioren-WG leben Senioren komplett selbstständig in einer Hausgemeinschaft, entweder in einem Haus oder einer Wohnung. Jeder Bewohner hat ein eigenes Zimmer. Die WG-Bewohner teilen sich Wohnzimmer, Küche, Bäder und ggf. einen Garten oder Balkon. Es kann einen oder mehrere Hauptmieter geben.
Ziel einer WG50plus ist es, sich im Alltag gegenseitig zu unterstützen. So wird einerseits ein soziales Umfeld geschaffen, andererseits entfallen zusätzliche Serviceleistungen. Anfallende tägliche Aufgaben der Senioren-WG wie z. B. Haushalt, Einkaufen, Kochen werden definiert und aufgeteilt. Durch das gegenseitige Helfen wird das Gemeinschaftsgefühl und die Unabhängigkeit der einzelnen WG-Mitglieder gestärkt.

Die Vorteile

a) Soziales Miteinander
Häufig haben die Mitbewohner gleiche oder ähnliche Interessen, was einer sozialen Vereinsamung im Alter vorbeugt. Die WG-Mitbewohner unternehmen häufig etwas zusammen und man ist füreinander da.

b) Mehr Geld zur Verfügung
Da die Kosten für Miete und Lebensunterhaltskosten geteilt werden, sparen WG-Mitglieder Geld. Das erhöht den Lebensstandard. Ein großer Vorteil besonders bei einer „kleinen“ Rente. Durch das eingesparte Geld kann dann in haushaltsnahe Dienstleistungen, wie z. B. eine Haushaltshilfe investiert werden, was zusätzlich den Wohnkomfort erhöht.

c) Mehr Sicherheit
Das Leben in einer Gemeinschaft bietet mehr Sicherheit, denn die Bewohner können gegenseitig aufeinander aufpassen und so z. B. im Notfall einen Arzt oder Krankenwagen rufen. Ist ein Wohnpartner verreist, dann ist meist jemand da, der auf die Wohnung oder das Haus aufpasst und sich ggf. um die Pflanzen oder Haustiere kümmern kann.

2. Die betreute Wohngemeinschaft

Im Gegensatz zur klassischen Seniorenwohngemeinschaft unterstützt ein Pflegedienst die Bewohner einer betreuten WG50plus. Bei dieser Form des gemeinsamen Wohnens lebt entweder eine Betreuungspersonen oder ein Pfleger direkt in der Senioren-WG 50plus (interne Betreuung) oder ein ambulanter Pflegedienst betreut regelmäßig einzelnen oder mehrere Bewohner (externe Betreuung).
Eine „interne“ Betreuung ist zuständig für die Hauswirtschaft, Organisation und Tagesgestaltung der Wohngruppe und erteilt grundpflegerische Tätigkeiten. Der Umfang der Betreuung und die jeweiligen Zuständigkeiten sind je nach Konzept (z.B. Demenz-WG) und Vereinbarung festgelegt. Die einzelnen Aufgaben werden von der Wohngemeinschaft definiert und vertraglich fixiert. Die Abrechnung der Pflegekräfte erfolgt dann über eine Betreuungspauschale der Bewohner, sonstige Hilfe- und Pflegeleistungen werden individuell mit den ambulanten Diensten abgerechnet.
Bei einer externen Betreuung durch einen ambulanten Pflegedienst richtet sich die Unterstützung nach dem individuellen Hilfebedarf der Bewohner einer Senioren WG. Hier hat jeder Bewohner die Wahlfreiheit, sich einen eigenen Dienst zu wählen. Die Finanzierung der ambulanten Dienste kann über das „Poolen“ von Leistungsansprüchen gesichert werden. Dies bedeutet, dass die Pflege- und Betreuungsleistungen sowie die hauswirtschaftliche Versorgung von mehreren Pflegebedürftigen nach § 36 Abs. 1 SGB XI, gemeinsam als Sachleistung in Anspruch genommen werden können. Experten empfehlen in diesem Fall, dass sich alle Bewohner auf einen Pflegedienst einigen.
Jeder Bewohner einer betreuten Hausgemeinschaft hat eine eigene Wohnung oder ein eigenes Zimmer. Die Gemeinschaftsräume werden geteilt und fördern den Kontakt untereinander.
Viele der heutigen Senioren-WGs sind bedarfsgerecht und barrierefrei gestaltet. Diverse finanzielle Fördermöglichkeiten unterstützen die Bewohner dieser Wohngemeinschaften die Räume barrierefrei umzubauen und für das Leben im Pflegefall vorzusorgen.

Die Vorteile

a) Soziales Miteinander
Durch gemeinsame Aktivitäten haben die Bewohner einer betreuten Wohngemeinschaft die Möglichkeit aktiv am sozialen Leben teilzunehmen, auch wenn Immobilität, Krankheit oder Pflegebedürftigkeit eintreten. Alltagskompetenzen, vor allem bei Demenz, und die Selbstständigkeit bleiben erhalten. Auch die Angehörigen werden entlastet. Der familiäre Bindung steht wieder im Fokus und nicht die Pflege des Familienmitgliedes.

b) Finanzielle Vorteile
Trotz der Eigenbeteiligung an Pflegeleistungen ist das Leben in der Pflege-WG deutlich günstiger als bei einer Heimunterbringung.  Ebenso werden die Kosten für Miete und alle weiteren Lebenshaltungskosten geteilt. So sparen WG-Mitglieder Geld. Das erhöht den Lebensstandard. Durch das eingesparte Geld können so in haushaltsnahe Dienstleistungen, wie z. B. eine Haushaltshilfe investiert werden, was zusätzlich den Wohnkomfort erhöht.

Mehrgenerationenwohnen
(Foto: Pixabay.com/hannahpirnie)

3. Das Mehrgenerationenhaus

Mehrgenerationenwohnen ist eine gute Möglichkeit, wenn man auch als Senior nicht nur unter gleichaltrigen Menschen leben möchte. Bei diesem Konzept leben und wohnen Familien und Einzelpersonen aller Altersgruppen unter einem Dach.
Oft werden beim Mehrgenerationenhäuser die Kinderbetreuung (z.B. Hausaufgabenbetreuung) mit Angeboten für ältere Bewohner (z.B. gemeinsamer Mittagstisch, Bastelkreis) verbunden. Beide Seiten profitieren bei dieser Form des gemeinsamen Wohnens und leisten einen Beitrag für das Zusammenleben. Der Lebensalltag wird bereichert.

Die Vorteile

a) Familiäre Strukturen
Die gegenseitige Unterstützung und das Zusammenleben mit mehreren Generationen in einem Mehrgenerationenhaus, ersetzt die häufig fehlende Familie und wirkt gegen Einsamkeit.

b) Sicherheit und Geborgenheit
Man paßt aufeinander auf und unterstützt im Notfall oder im Krankheitsfall.

c) Soziale Integration
Bei einem Umzug in einen neuen Ort bietet eine Mehrgenerationen-WG die Möglichkeit, direkt Anschluss zu finden und neue Menschen kennenzulernen.

Video zum Thema Mehrgenerationen-WG

GENERATIONENWOHNEN: Dr. Henning Scherf im Gespräch
Auszüge aus dem GESPRÄCH mit DR. HENNING SCHERF und der BAUGRUPPE des BÜRGERSTADT-Projekts HAUS EISENZAHN BERLIN am 4. April 2014.

Kosten und Fördermöglichkeiten für die WG-Gründung im Alter

Wie hoch die Kosten in einer Senioren-WG sind, hängt sehr von den individuellen Bedürfnissen der Bewohner ab. Die wichtigsten Faktoren sind:

  • Miete: Hat jeder Senior nur ein Zimmer, fällt die Miete günstiger aus als für eine eigene Wohnung.
  • Individuelle Lebenshaltungskosten – z. B. Ausgaben für Einkäufe, Kleidung, Freizeitaktivitäten, ein eigenes Auto u. v. m.
  • Kosten für einen privaten Pflegedienst. Brauchen mehrere Bewohner professionelle Pflege, kann ein Pflegedienst geteilt werden (sog. “Poolen”).

Staatliche Unterstützung

Zuschüsse für barrierefreie Umbaumaßnahmen: Je nach Pflegestufe gibt es von der Pflegekasse bis zu 4.000 Euro pro pflegebedürftigem Bewohner. Die Obergrenze liegt bei 16.000 Euro pro Wohngemeinschaft. Zusätzlich kann ein Wohngruppenzuschlag von 214 Euro monatlich beantragt werden.
Die Pflegeberatung der Pflegekasse unterstützt bei den zu erfüllenden Auflagen und hilft mögliche Kombinationen der Bezüge zu beantragen.

WG-Gründung im Alter
(Foto: Pixabay.com/Congerdesign)

Vor- und Nachteile einer WG 50 plus in der Übersicht

Das Wichtigste ist das Gemeinschaftsgefühl. Die Bewohner können gemeinsam aktiv sein und im Notfall können sie schnell helfen. Zudem bleibt die Selbständigkeit und Unabhängigkeit erhalten. Fällt der Alltag mit zunehmenden Alter schwerer, kann ein ambulanter Pflegedienst die Senioren unterstützen. Auch wenn eine Senioren-WG50 viele finanzielle und soziale Vorteile hat, ist sie dennoch nicht für jeden das Richtige. Diese Form des Zusammenlebens eignet sich besonders für Rentner und Senioren, die gerne in Gemeinschaft leben und gerne aktiv sind. Voraussetzung für ein harmonische Zusammenleben ist hierbei ein hohes Maß an Kompromissbereitschaft und Flexibilität.

Senioren-WG finden

Wer heute in eine Senioren-WG einziehen oder selbst gründen möchte, hat es nicht schwer. Es gibt Online-Portale, die sich auf WGs für Bestager 50 bis 60plus spezialisiert haben. Auch die klassische Zeitungsannonce ist besonders für die Suche in der näheren Umgebung eine gute Hilfe.
Ebenso helfen entsprechende Aushänge im Gemeindezentrum die passenden Mitbewohner oder Mitgründer zu finden.

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